EINE STIMME – Jen Bender (Grossstadtgeflüster)

„Ich muss garnix, außer Schlafen, Trinken, Atmen und Ficken!“ So die feiertaugliche und Anti-Alles-Hook des ersten Hits der Berliner Band „Grossstadtgeflüster“. Mittlerweile feiern die drei ihr 10jähriges Bandjubiläum und immernoch wild. Steht Jen mit ihren Jungs Chris und Raphael auf der Bühne, fliegt nicht nur ihr Regenbogentüllrock, sondern auch der Bass aus der Bassboxxx, auf der sie so gerne sitzt (weil vibriert ja und ein bißchen Spass muss sein, gerade als Businessfrau – #worklifebalance). Da wird rumgesprungen, rumgebrüllt, rumgeworfen und überhaupt die ganze Festivalbühne zerlegt. Im Kleidchen. Aber ohne Highheels, die mag sie nämlich nicht.

Dieser „gutgelaunte Über-Drüber Pop“ ist irgendwie ein quengelig bengeliger Berlin-Bastard, gezeugt aus Elektro-Beats, 80er NDW-Anleihen und Punk; aus ein bißchen Sprengstoff, ordentlich Konfetti und vor allem viel Yeah. Grossstadtgeflüster haben keine Berührungsängste mit dem Mainstream, im Gegenteil, sie umarmen ihn und die Welt im Ganzen und laden alle und jeden zur glitzergetränkten Party mit ein. Ist es doch ein glückliches Miteinander, das Sängerin Jen als Anfangs- und Endpunkt jeglichen politischen Handelns versteht.

Dass Lyrics wie „Dann schießen wir uns hinter den Mond und wir kommen erst wieder runter, wenn’s sich hier unten wieder lohnt.“ dann doch eher der künstlerischen Fiktion zuzuordnen sind zeigt sich spätestens, wenn Jen in ihrem Interview für „EINE STIMME“ leidenschaftlich an die gesellschaftliche Verantwortung jeder und jedes Einzelnen appelliert. Heisst das aktuelle Album schön unverfänglich „Oh, ein Reh!“ so ist das hier ganz deutlich „Oh, ein Aufruf zu eigenem Engagement!“. Kommt ihr damit klar? Wir hoffen doch!

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