EINE STIMME – Murat Topal

9 Jahre bei der Berliner Polizei gearbeitet und trotzdem den Humor nicht verloren – Herzlichen Glückwunsch Murat Topal! Der Weg vom Staatsdienst in den Quatsch Comedy Club scheint ein spannender gewesen zu sein, zumindest hat unser heutiger Interviewgast bei „EINE STIMME“ auf der Bühne eine Menge zu erzählen: Wie es ist, als Deutschtürke in Neukölln aufzuwachsen, als Polizist von Festgenommenen als Landesverräter beschimpft zu werden; aber vor allem auch davon, dass man als Comedian anscheinend manchmal mehr erreicht als als Cop.

Viele seiner Konflikte hat Murat Topal über Sprache gelöst – seien es kleine Späßchen, um beim polizeilichen Hausbesuch Ehekrisen zu entschärfen oder die eindringliche Worte, die er gegenüber Jugendlichen anschlägt, wenn er als Moslem für das Projekt „Stop Tokat“ (türkisch für „Abziehen“) Neuköllner Hauptschulen besucht und mal nachfragt, wie das denn eigentlich mit dem Islam und dem auf der Straße so viel beschworenen Respekt vereinbar ist, anderen auf dem Schulweg ein Handy zu zocken. Irgendwie ja nich so, sehen dann auch die Lautesten ein, erst recht, wenn die Frage von jemandem kommt, der eher nach Türsteher aussieht als nach Sozialarbeiter. Und im Fernsehen isser auch noch!

Murat Topal nimmt kein Blatt vor den Mund und jeden in die Pflicht, wenn es um das Thema Integration geht. Nicht nur deshalb wird er gern in Talkshows geladen oder als Gastkolumnist — auch wenn es ihn langsam nervt, dass selbst in dritter oder vierter Generation hier lebende Einwanderer immer noch als Bürger mit „Migrationshintergrund“ bezeichnet werden. Uns tut’s ja auch leid, dass wir auch wieder nur Klischeefragen stellen, aber es ist einfach zu spannend: Döner oder Schweinebraten, Murat? Kopftuch oder Cola? Moschee oder Muschi? Oder etwa alles zusammen und alle wie sie wollen, mal so ganz ohne religiöse oder nationale Ideologie? Total verrückte Idee. Oder?

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