EINE STIMME – Yassin (Audio88 & Yassin)

„Man sollte ein System am Leben erhalten, das den Menschen ermöglicht, glücklich zu sein.“ So der deutsch-algerische Berliner Yassin in seinem Interview für Eine Stimme.

Wenn der George Clooney des deutschen Untergrund Raps nicht gerade mit seinem Kollegen Audio88 oder der HipHop-Superboygroup „Die Bestesten“ von der Bühne herab gleich tausende Menschen auf einmal glücklich macht, bewegt er sich als Senior Konzepter einer großen Agentur in dieser Easy-Jet Set Welt, die so gar nichts gemein hat mit den fast schmerzhaft genau getroffenen Sozialscenarios, die regelmäßig Eingang finden in seine und Audio88s Lyrics. Von Sandy und Justin und ihren bildungsfernen Eltern ist da die Rede in sperrigen Rhymes und trocken vorgetragenen Punchlines, deren bissiger Witz sich oft erst beim zweiten Hören entfaltet.

Ungeschönter Realismus trifft auf organische Beats – und die wunden Punkte so genau, dass es allein beim Zuhören weh tut. Dafür, dass selbst bei diesen zwei Berufsmisanthropen der Spass nicht zu kurz kommt, sorgt eine gehörige Portion Selbstironie und die Fähigkeit, selbst bitterbösen Battle-Rap unangestrengt eloquent zur Poesie werden zu lassen. Und eigentlich schreiben sie ja auch nur „Texte über Liebe“.

Dass die meisten Aussagen im aktuellen Wahlkampf ungefähr so glaubhaft sind wie dieser Tracktitel nimmt Yassin den Politikern am meisten übel. Können die sich nicht wenigstens ein bißchen Mühe geben beim Lügen?

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